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Allgemeiner Überblick
Das Größenverhältnis zwischen Modell und Vorbild (beispielsweise 1:87) wird als
Maßstab bezeichnet, wobei gängigen Maßstäben jeweils ein Buchstabenkürzel
zugeordnet wird (Z, N, H0). Während Modellbahnanlagen in kleineren Maßstäben
meist in Innenräumen zu finden sind, werden Modellbahnen in besonders großem
Maßstab häufig als Gartenbahn im Freigelände ausgeführt.
Aufgrund der Komplexität und Ausdehnung des Gesamtsystems Eisenbahn ist bei der
Nachbildung im Modell eine thematische Eingrenzung sinnvoll. Häufig ist das
Thema eine Eisenbahngesellschaft, eine Eisenbahnstrecke, ein Bahnhof, eine
Betriebsstelle, eine bestimmte Epoche oder mehrere dieser Kriterien – das kann
durchaus bis zu „Bahnhof XY im Jahre X“ gehen, wobei dann Lokomotiven und Wagen
in dem Vorbild entsprechenden Anzahlen vorhanden sind. Die typische „Spielbahn“
beschränkt sich dagegen gar nicht oder nur sehr grob – typisch ist so etwas wie
„deutschsprachiger Teil Europas von 1950 bis heute“. Ebenfalls kann sich die
Nachbildung auf die möglichst originaltreue modellhafte Darstellung von
Gebäuden, Gleisanlagen und Fahrzeugen (z. B. als Diorama) beziehen, oder es kann
der Schwerpunkt auf die Darstellung eines typischen Betriebsablaufs gelegt
werden, etwa indem man einen Bahnhof nachbaut, wie es ihn gegeben haben könnte
(der also kein reales Vorbild haben muss, aber den Bauvorschriften und anderen
Vorgaben entspricht).
Für rollendes Material und Zubehör (Gleise, Gebäude, Modellautos, Kleinkram,
Vegetation, Elektronik) gibt es mittlerweile eine große Industrie, die
entsprechende Fertigprodukte oder Bausätze herstellt. Die eigentliche Anlage
wird in den meisten Fällen selbst zusammengestellt; es gibt aber auch einige
wenige Angebote für mehr oder weniger fertige Anlagen.
Bei den Anlagen unterscheidet man Anlagensysteme (komplette Anlagen auf einer
Platte), die ein eigenständiges abgeschlossenes Thema nachbilden und autark
ausgestellt und betrieben werden können, und Teile mit genormten Schnittstellen
oder Übergängen, sogenannte Module. Module stellen einen begrenzten Teil oder
Streckenabschnitt der Eisenbahn(-landschaft) dar. Sie können im Prinzip
jederzeit frei miteinander verbunden werden. Besonders beliebt im Modulbau sind
in den letzten Jahren Straßenbahn-Anlagen geworden.
Modellbahner
Menschen, die sich mit Modelleisenbahnen beschäftigen, kann man grob in vier
Gruppen aufteilen – die Grenzen sind dabei einerseits fließend, andererseits ist
die Toleranz gegenüber Menschen mit anderer Schwerpunktsetzung oftmals gering
bis nicht vorhanden:
* „Spielbahner“: Personen, die das eigentliche Spiel mit der Bahn bevorzugen,
oftmals durch „fliegend“ aufgebaute Bahnen (daher auch Teppichbahner genannt).
Die meisten mit einer Modellbahn spielenden Kinder gehören in diese Gruppe. Bei
Spielbahnern steht die Freude am Spiel und das „Ausprobieren“-Wollen an erster
Stelle. Realismus oder korrekte Wiedergabe der Wirklichkeit sind nur sekundär
wichtig.
* „Vorbildbahner“: Personen, die den Schwerpunkt auf eine möglichst
vorbildgetreue Abbildung der Wirklichkeit legen. Sie streben meist stationären
Anlagen- und Modellbau wie realistischem Fahrbetrieb nach Fahrplan an. Sie
werden abwertend Nietenzähler oder Pufferküsser genannt. So gibt es Spezialisten
für Landschaftsbau, Signale, Häuser, Waggonbau und Triebfahrzeuge. Durch die
zunehmende Digitalisierung dieses Hobbys treten auch zunehmend IT-Spezialisten
hinzu.
* Sammler: Personen, die beispielsweise Lokomotiven, Waggons oder Zubehör einer
bestimmten Epoche oder eines bestimmten Herstellers sammeln. Sie werden
Schachtelbahner oder Vitrinensammler genannt. Denn häufig werden die Fahrzeuge
in speziellen Vitrinen untergebracht; das Fahren auf einer Anlage erfolgt eher
gelegentlich. Besonders verbreitet ist in Deutschland das Sammeln von
Lokomotiven.
Spur-0-Modell der Schnellzuglokomotive Baureihe 18, Eigenbau aus Messing
Spur-0-Modell der Schnellzuglokomotive Baureihe 18, Eigenbau aus Messing
* Bastler: Hier steht die technische Auseinandersetzung mit dem Hobby im
Vordergrund. Es werden detaillierte Planungen entworfen, komplizierte
Schaltungen entwickelt und Modelle um- oder neu gebaut. Die modernen
Möglichkeiten und Probleme der digitalen Modellbahnerei reizen viele
computerinteressierte Modellbahner zu einer Beschäftigung mit nur diesem Aspekt
des Hobbys. Eine detaillierte Anlagengestaltung tritt dabei in den Hintergrund.
Anlagenformen
Typische Märklin-Spielanlage der 60er/70er-Jahre ohne Ausgestaltung
Typische Märklin-Spielanlage der 60er/70er-Jahre ohne Ausgestaltung
Modellbahnanlage im Märklin-Museum, Göppingen, Spurweite H0, Detailansicht der
Bahnhofsanlage
Modellbahnanlage im Märklin-Museum, Göppingen, Spurweite H0, Detailansicht der
Bahnhofsanlage
Für ausgestaltete Modellbahnanlagen haben sich drei typische Formen etabliert:
Die einfachste und bekannteste benötigt eine rechteckige (Holz-)Platte, an deren
Rand ein ein- oder mehrgleisiges Gleisoval entlangführt. Dabei definieren die
Kurvenradien die nötige Breite der Platte und die Länge der Züge, die in den
(meist geraden) Bahnhof passen sollen, die Länge der Platte. Da die Größe dieser
Anlagen auffallend oft etwa 200 × 80 cm beträgt, taucht dafür vereinzelt die
Bezeichnung Türblattanlage auf. Die weitere Ausgestaltung (aus Platzgründen fast
komplett im Inneren des Kreises) folgt dabei nicht selten einem einheitlichen,
wenig vorbildgerechten, aber spieltauglichen Muster: vorne ein weiteres
Bahnhofsgleis, dahinter das Empfangsgebäude eines Bahnhofs. An einer Seite ein
Lokschuppen oder eine Drehscheibe, ein weiteres Gleis führt als Ladegleis einer
Firma irgendwo in die Anlagenmitte. In einer oder beiden hinteren Ecken befindet
sich ein Berg mit Tunnel; der Raum dazwischen ist mit Häusern oftmals nicht
zusammenpassender Baustile (da geschenkt bekommen) gefüllt. Gerade die Tatsache,
dass man immer die komplette Anlage im Blick hat, erschwert es, einen
realistischen Eindruck zu bekommen.
Etwas seltener sind Anlagen, die in irgendeiner Form dem Wandverlauf im Raum
folgen – also Anlagen in L-, U-, T-Form oder in gar noch komplexeren Formen.
Dies ermöglicht oftmals selbst in verhältnismäßig engen Räumen auch die
Unterbringung von Gegenden ohne Gebäude und – gerade in Wandecken – von sehr
großen und dem Vorbild näheren Kurvenradien (eine realistische Kurve in Spur H0
hätte einen Radius von mindestens 2 m). Zudem kann der Bahnhof komplett mit
Stellwerken, einem oder mehreren Güterschuppen (bei heutigen Vorbildern wohl
eher mit einer Disco oder einem Supermarkt als Nutzer) und vor allem langen
Nutzlängen ausgestaltet werden, die ein Bahnbetriebswerk überhaupt erst
rechtfertigen. Auch die Unterbringung eines zweiten Bahnhofs an einem anderen
Raumende (wenn der Platz bei bestem Willen keine Gleisschleife dahinter zulässt
oder die dabei nötigen Rangierbewegungen als zusätzlicher Spielspaß angesehen
werden, auch als Kopfbahnhof), um so realistischen Pendelverkehr oder
Warentransporte nachzubilden, ist möglich. Auch sind bei dieser Anlagenform
sogenannte Schattenbahnhöfe verbreitet – einfache Abstellgruppen irgendwo unter
der Anlage, die über den Weg ins Weite erreicht werden können, und so den
Betrieb mit mehreren Zügen zugleich ermöglichen.
Als Königsdisziplin der Modellbahn gelten modulare Anlagen. Hierbei werden
zunächst nur relativ kleine, thematisch zusammenpassende Gruppen gebaut, die mit
genormten Endstücken versehen sind und so beliebig miteinander verbunden werden
können. Da diese Arten von Anlagen problemlos auf- und abgebaut werden können,
ist der Platz ein wesentlich kleineres Problem. Bei solchen Anlagen kommt es
nicht selten vor, dass komplette Bahnhöfe nur leicht verkürzt gebaut werden –
manchmal mit Nutzlängen von 10 m und mehr. Zudem muss man beim Bau eines Moduls
nicht jedes Thema auf die Platte stopfen, das man irgendwann einmal bauen will –
dann baut man es eben auf das nächste Modul. Einer der bekannteren Vereine, die
sich dem Modulbau verschrieben haben, ist der FREMO.
Permanente Ausstellungsanlagen
Die zur Zeit (Stand 2007) größte Modelleisenbahnanlage der Welt ist das
Miniatur-Wunderland in Hamburg. Die Anlage befindet sich in der Speicherstadt
und ist eine Dauerausstellung über 2 Etagen mit mehr als 700 Zügen. Die
zweitgrößte digitale Modellbahnanlage, Loxx Miniatur Welten Berlin, befindet
sich in der Berliner City im Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz. Weitere
Anlage sind z. B. der mehr als 700 m² große Deutschlandexpress in Gelsenkirchen
und die Modellbahnshow Merklingen in Merklingen bei Stuttgart. Die ehemals
größte Modelleisenbahnanlage der Welt, Northlandz, befindet sich in
Flemington/USA. Ihren „Titel“ verlor die Anlage im Juli 2005, als der im Jahr
2004 begonnene Abschnitt Skandinavien des Miniatur-Wunderlandes fertiggestellt
wurde.
* Weitere Anlagen siehe die Liste öffentlich zugänglicher Modelleisenbahnanlagen
Ausgestaltung
Die einfachste Form der Ausgestaltung einer Modellbahn ist die sogenannte
Gleiswüste – auf der nackten Holzplatte befinden sich ausschließlich Gleise,
aber keinerlei Landschaft. Die idealerweise nächste Stufe sind realistische
Landschaftserhebungen – die Landschaft ist niemals wirklich bretteben. Nun folgt
eine feinere Ausgestaltung: Einschottern der Gleise (bei einer mehrgleisigen
Strecke ist der Raum zwischen den Gleisen komplett geschottert), Hinzufügen von
Straßen, Häusern und Grünflächen. Abschließend kann man das Ganze noch mit
diversem Kleinkram von Autos und Lampen über Figuren bis hin zu Mülltonnen oder
einzelnen Pflanzen dekorieren. Zudem empfiehlt es sich, gerade Kunststoffmodelle
farblich leicht nachzubehandeln, um so den Plastikglanz loszuwerden.
Für eine Spielanlage sind natürlich auch vorhandene oder wesentlich einfacher zu
erstellende Ausgestaltungen denkbar, etwa Häuser aus Lego-Steinen oder
Ritterburg, Mühle/Hafen oder Parkhochhaus für Spielzeugautos; sie beziehen
frühere Spielformen und Spielfiguren ein.
Modellbahnmaßstäbe
Ein Vergleich: Die BR 103 der DB in Spur H0 und Spur Z
Ein Vergleich: Die BR 103 der DB in Spur H0 und Spur Z
Eigenbau nach Phantasie für LGB-Spur
Eigenbau nach Phantasie für LGB-Spur
Hauptartikel: Maßstäbe der Modelleisenbahn
Modellbahnen gibt es in einer Reihe von Maßstäben, wobei Größen zwischen 1:22,5
und 1:220 heute gängig sind. Die mit Abstand gängigste Größe wohl weltweit ist
die Spur H0 im Maßstab 1:87. Daneben haben im deutschsprachigen Raum noch (in
ungefährer Verbreitungsreihenfolge) die Spur N (1:160), Spur IIm (1:22,5,
Gartenbahn), Spur Z (1:220), Spur TT (1:120, vor allem in Ostdeutschland sehr
verbreitet) und Spur 1 (1:32) größere Marktanteile. Außerdem gibt es auch noch
die Spur 0 (1:43,5 bzw. 1:45).
Epochen
Hauptartikel: Epoche (Modelleisenbahn)
Zur einheitlichen Darstellung auf einer Anlage ist die Geschichte der Eisenbahn
in Deutschland und anderen Teilen Europas in verschiedene Zeitabschnitte,
Epochen, gegliedert worden. Der ICE ist im Regelbetrieb der
Eisenbahngesellschaften nicht gleichzeitig mit einem Krokodil oder einer
Personenzugdampflokomotive einer Nebenbahn unterwegs. Im Zuge der
Bahnentwicklung hat es jedoch immer wieder bedeutende Stichtage gegeben, nach
denen binnen relativ kurzer Zeit eine Änderung durchgeführt wurde – allen voran
natürlich die Gründung und Umbenennung von Bahngesellschaften. Um die zeitliche
Zuordnung des Materials zu erleichtern, werden diese deshalb den Epochen
zugeordnet, und teilweise auch noch engere Perioden innerhalb dieser Epochen
angegeben. So stellt zum Beispiel in Deutschland eine Lok der Epoche II a den
Zustand der Lokbaureihe zwischen 1920 und 1925 dar – typischerweise bedeutet
dies das Zusammentreffen neuerer Beschriftungen der Deutschen Reichsbahn mit
älteren Lackierungen der Länderbahnzeit. Von Modellbahnern werden diese oft als
eines der einfachsten Mittel der zeitlichen Abgrenzung ihrer Sammlung genutzt.
Es gibt verschiedene Systeme der Epocheneinteilung. Das bekannteste mit fünf
Epochen wurde um 1971 vom Eisenbahnhistoriker G. Barthel angeregt und
verbandsintern normiert. Dennoch gibt es bis heute immer wieder strittige
Auslegungen, etwa wenn binnen relativ kurzer Zeit mehrere punktuelle
Umstellungen erfolgten (z. B. Mitte der 1950er Jahre die Abschaffung der dritten
Klasse, die Einführung des dritten Spitzenlichts an Loks und die Verkleinerung
der Windleitbleche).
Antrieb
Echtdampf-Lokomotive
Die ersten Modelle für den Spielzeugmarkt wurden von einem aufziehbaren Uhrwerk
angetrieben. Obwohl das die Kontrolle der Modelle erschwerte, waren diese robust
gebaut, so dass sie auch das Greifen der Schalter in voller Fahrt überstanden.
Es gab auch Langsamfahr- und Stopp-Gleise, die die Steuerung der Lokomotive
übernahmen und diese sicher anhalten konnten. Andere Lokomotiven, meist in
größeren Maßstäben, waren richtige Dampfmaschinen (Echtdampf). Solche Exemplare
sind heute Sammlerstücke.
Die Gleise für die Uhrwerkbahnen waren aus Metall, bei denen linke und rechte
Schiene miteinander elektrisch verbunden waren. Für die aufkommenden elektrisch
angetriebenen Lokomotiven wurden im Sinne größtmöglicher Kompatibilität die
Gleise um eine mittige Schiene ergänzt. Diese ist elektrisch vom restlichen
Gleiskörper isoliert. Der Strom wird über den Mittelleiter zugeführt, nicht -
wie beim Vorbild - über eine Oberleitung oder eine seitliche Stromschiene. Der
Gleiskörper stellt - wie beim Vorbild - den Rückleiter (= Gleismasse) dar. Zudem
ist die Konstruktion elektrisch symmetrisch und erlaubt deshalb Gleisfiguren,
die bei vorbildgerechterer Zweigleisstromführung einen zur damaligen Zeit kaum
bezahlbaren Zusatzaufwand an Elektrotechnik notwendig gemacht hätten. Im
Zeitalter moderner Elektronik ist dies jedoch unerheblich.
Märklin-Primex-Lok mit Punktkontakt-Gleis
Zeileiter-Gleis
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Wandel von der Spiel- zur Modellbahn: die
Miniaturisierung und die Ansprüche an die Modelltreue schritten voran. Der
Mittelleiter wurde deshalb als störend empfunden. Märklin ist der letzte
bedeutende Anbieter, der einen Mittelleiter verwendet; seit ca. 1955 wird dieser
jedoch in Form von optisch unauffälligeren Punktkontakten realisiert. Die
meisten nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte Systeme verwenden
Kunststoffgleise, bei denen die beiden Schienen elektrisch voneinander getrennt
sind (Pol und Gegenpol). Dieses Zweischienensystem ist international genormt
(NMRA und NEM) und wird heute von allen Herstellern außer Märklin benutzt.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war zumindest in Deutschland die Stromversorgung der
Haushalte uneinheitlich, d. h. teils Wechsel-, teils Gleichspannung in jeweils
unterschiedlicher Höhe. Auch die technischen Möglichkeiten waren aus heutiger
Sicht bescheiden. Es wurden deshalb überwiegend Feldwicklungs- oder
Allstrommotoren verwendet; die Spannung war auch damals schon ca. 20 V. Heute
wird Kleinspannung (typisch 16 V, max. 24 V) und galvanische Trennung vom
Stromversorgungsnetz verwendet, so dass das Berühren der Gleise ungefährlich
ist. Märklin benutzt bis heute Wechselspannung, um mit dem früheren System
kompatibel zu bleiben. Seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Systeme (z. B.
Fleischmann) benutzen Gleichspannung, da bereits Gleichrichter und haltbare
Permanentmagnete verfügbar waren und so das Fahrtrichtungs-Umschaltrelais in den
Modelllokomotiven eingespart werden konnte.
Daneben gab es einige analoge Mehrzugsteuerungssysteme, dessen bedeutendstes
Trix-EMS war. Diese Systeme werden, auch aufgrund technischer Schwierigkeiten,
heute nicht mehr hergestellt. Seit ca. 1985 gibt es digitale
Mehrzugsteuersysteme, d. h. Kommandos für Lokomotiven werden codiert in der
Versorgungsspannung im Gleis übertragen. Nachdem es zunächst diverse Protokolle
für diese Systeme gab, haben sich heute vor allem die von Märklin verwendeten
(Motorola, mfx) und das nach NMRA genormte DCC-System etabliert. Speziell bei
Spur N ist auch das SelecTRIX-Protokoll verbreitet. Allen gemeinsam ist, dass
sie mit einer Art hochfrequenter Rechteck-Wechselspannung arbeiten.
Entgegen verbreiteter Ansicht gibt bzw. gab es jede Kombination zwischen
Mittelleiter- und Zweischienensystem einerseits und Gleich- und Wechselspannung
andererseits, z. B. Märklin Spur 1 (2-Schienen-Wechselspannung) und Trix-Express
(Mittelleiter-Gleichspannung). Dennoch wird vielfach fälschlich
Gleichstrom/-spannung mit Zweileitersystem, Wechselstrom/-spannung mit
Mittelleitersystem gleichgesetzt.
Modellbahnsteuerung
Elektrische Modellbahnanlagen können grundsätzlich manuell oder automatisch
gesteuert werden; beides ist in „klassischer“ Form analog oder auch mit
Digitaltechnik möglich.
Geschichte der Modellbahn (Schwerpunkt Deutschland)
Als Beginn der Modellbahn-Geschichte kann das Jahr 1784 angesehen werden. Der
englische Ingenieur William Murdock baute in diesem Jahr ein Versuchsmodell
eines gleislosen Dampfwagens. Ein wesentlicher Unterschied zur
Spielzeugeisenbahn ist sicher der Antrieb, wie der Versuch, die technische Seite
der Modelle dem Vorbild anzunähern.
Das Mutterland England
Im Mutterland der Eisenbahn, in England, werden seit Beginn des 19. Jahrhunderts
Modelle von Eisenbahnzügen gefertigt. Anfangs waren sie auch Werbemodelle für
die Originale, was an die Automodelle der Nachkriegszeit erinnert. So erhielt
der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe 1829 von englischen Freunden ein Modell
der Rocket „für seine Enkel“ (siehe Abb.). Dieses Modell ging jedoch verloren
und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Modell der Rocket (Goethe, verschwunden). Abbi. Archiv d. ProMediaTeam Ltd.
Modell der Rocket (Goethe, verschwunden). Abbi. Archiv d. ProMediaTeam Ltd.
Ebenfalls im Jahr 1829 baut Diez Imbrechts eine betriebsfähige Modellbahn als
Geschenk für den spanischen Königshof.
Im Jahr 1835, als der Adler erstmals auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth
verkehrt, und damit die Eisenbahn in Deutschland ihren bescheidenen Anfang
nimmt, erscheinen auch ein farbiger Ausschneidebogen des Adlerzugs und passende
Zinnfiguren. Fünf Jahre später, 1840, tauchen dann in Deutschland die ersten aus
Blech hergestellten Eisenbahnnachbildungen auf.
Das erste Kind, das nachweisbar eine Modelleisenbahn besaß, war 1859 der
kaiserliche Prinz Napoléon Eugène Louis Bonaparte. Die Bahn drehte allerdings
nicht bescheiden im Zimmer ihre Runden, sondern sie wurde im Park von Saint-Cloud
aufgebaut. Bewundern konnte man diese Modellbahn im Museon di Rodo in Uzès/Frankreich,
doch wurde diese Sammlung inzwischen aufgelöst [1].
1862 offeriert die Firma Myers in London dampfbetriebene Lokomotiven in ihrem
Katalog, und 1869 findet sich die erste nachweisbare Anzeige auch in
Deutschland. Die Firma Carogatti in Königsberg preist dort „… im Zimmer fahrende
Lokomotiven mit oszillierendem Zylinder“ an.
Die erste elektrisch betriebene Eisenbahn tauchte 1882 auf (Planck), und bereits
ein Jahr später wurde erstmalig das Zweischienen-Zweileiter-System bei
elektrischen Eisenbahnen angewendet.
Nürnberg
Blechmodell einer Dampflok um 1949 mit Uhrwerkantrieb. Hersteller unbekannt.
Blechmodell einer Dampflok um 1949 mit Uhrwerkantrieb. Hersteller unbekannt.
Das erste nachgewiesene Lok-Modell mit Uhrwerkantrieb stammt von 1886.
Wohlgemerkt ist es das erste nachgewiesene Modell, denn technisch machbar wäre
es schon ab ca. 1855 gewesen, als bereits erstmals andere Spielsachen mit
Uhrwerkantrieb auftauchten. Ebenfalls 1886 bietet der Spielwarenhersteller Bing
aus Nürnberg die erste komplette Zuggarnitur mit Gleisen an.
1887 zieht die Firma Schönner aus Nürnberg nach und präsentiert dampfbetriebene
Modelle mit Lok, Wagen und Gleisen in zwei Spurweiten. (65 mm, ca. 1:22 und 115
mm, ca. 1:12) [2]
1891 präsentiert der heute noch führende deutsche Modellbahnhersteller Märklin
auf der Leipziger Messe erstmals seine Eisenbahnmodelle. Nicht nur das, Märklin
ordnet als erster Hersteller die Spurweiten seines Programms: 0, 1, 2 und 3,
Bezeichnungen die heute noch Gültigkeit haben. 1895 ist ebenfalls Märklin die
Firma, die erstmals Weichen und Eisenbahnzubehör (Gebäude, Signale, Tunnel)
anbietet.
Die erste ausgesprochene Modell-Lok nach deutschem Vorbild bietet die Firma
Schönner im Jahr 1900 an. Im selben Jahr gibt es erstmals das Dreischienen-Gleis
von Märklin (Mittelschiene zur Stromversorgung) und ein Jahr später, 1901,
ebenfalls von Märklin, eine mechanische sowie eine elektrische Fernbedienung für
Weichen.
Daneben finden sich im Jahr 1901 auch die ersten Diskussionen in Zeitschriften,
die sich mit der Normung von Modellbahnen befassen. Diese münden wohl in das
erste „Handbuch der Modellbahn“ von Bassett-Lowkes, in dem der von Greenly
entwickelte Normenvorschlag bekannt wird, der sich wiederum an die Märklin-Norm
von 1891 anlehnt und nach dem sich künftig die Hersteller richten.
Die Spurweite 00, später H0, (sprich „halb Null“, demzufolge halb so groß wie
Spur Null) mit 16,5 mm Spurweite, hat 1922 ihr Debüt. Erster Serienhersteller
dieser Spurweite ist die Firma Bing in Nürnberg, die sie noch nicht unter dem
Namen 00 (oder H0), sondern als Bing-Tischbahn zunächst 1922 als Uhrwerkbahn mit
Böschungsgleis, ab 1924 auch mit elektrischem Antrieb, herausbringt. Zuvor hatte
Märklin eine mit Spur 00 bezeichnete Bahn im Programm, aber diese hatte noch
nicht die Spu 16,5 mm, sondern 26 mm (1908, Märklins Liliput-Bahn). Auch Bing
und Bub hatten Bahnen in Spurweiten zwischen 20 und 28 mm (1912, Bing,
Batterieantrieb), also kleiner als die Spur 0. Als die Deutsche Reichsbahn 1935
mit viel Pomp 100 Jahre Eisenbahn in Deutschland feierte, kommen zuerst mit Trix
(Trix-Express, mit Mehrzugsteuerung) und dann im Herbst mit Märklin weitere
Hersteller der 16,5-mm-Spur, die erst jetzt als Spur 00 und ab 1949/50 Spur H0
bezeichnet wurde, hinzu. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma Bing bereits seit
vier Jahren ihre gesamte Spielzeugproduktion aus wirtschaftlichen Gründen
(Weltwirtschaftskrise) aufgegeben. Die Bing-Tischbahn, die bis etwa 1937 noch
von der Firma Bub weiter produziert worden war, wurde zu diesem Zeitpunkt
aufgegeben, wohl unter anderem wegen der größeren Modelltreue der Trix- und
Märklin-Erzeugnisse in dieser Spurweite.
Bahnhofsanlage, wie sie seit den 1970er-Jahren in vielen deutschen Bahnhöfen zu
finden ist (Wuppertal Hbf).
Bahnhofsanlage, wie sie seit den 1970er-Jahren in vielen deutschen Bahnhöfen zu
finden ist (Wuppertal Hbf).
1927 führt der VDE Kleinspannungen von maximal 22 Volt für Modelleisenbahnen
ein. Die bis dahin üblichen Fahrpulte mit Lampenvorwiderständen sind ab jetzt
nicht mehr zulässig. (Bei diesen Fahrpulten mit Lampenvorwiderständen wurde die
damalige Netzspannung von 220 V lediglich mit einer in Reihe geschalteten
Glühlampe reduziert. Es bestand also keine galvanische Trennung zur
Netzspannung, wie es die nun eingeführten Transformatoren sicherstellten.)
Es geht noch kleiner
Erst 1949 gibt es eine erneute Innovation in Richtung „Es geht noch kleiner“.
Mit 12 mm Spurweite präsentiert Rokal auf der Hannovermesse die erste TT-Bahn
Deutschlands im Maßstab 1:120. In der DDR erlangt die Spur der Mitte – wie sie
nach dem Erscheinen der Spur-N-Bahn oft genannt wird – eine größere Bedeutung
als in der Bundesrepublik Deutschland. So bleibt die niederrheinische Firma
Rokal (später Röwa) im Westen einziger Hersteller dieser Spurweite. Als diese
1974/75 Konkurs anmeldet, ist das Ende dieser Spur im Westen besiegelt. Nicht so
in der DDR, wo sie eine beliebte und weit verbreitete Spurweite darstellt (Zeuke).
1952 stellt die Firma Fleischmann aus Nürnberg erstmals ihre H0-Bahn vor.
Seither gehört Fleischmann zu den führenden Modellbahnherstellern in
Deutschland.
Die Firma Trix experimentiert 1958 mit Rollmodellen im Maßstab 1:180, die jedoch
nie aus der Versuchsphase herauskamen.
1960 gelingt es der Spielwarenfirma Arnold aus Nürnberg, eine zunächst mit 8 mm
Spurweite herausgebrachte Modellbahn im Maßstab 1:160 vorzustellen. Daraus wird
dann eine maßstabgerechtere Spurweite von 9 mm. Damit ist die Spur N der nächste
Meilenstein im Sinne von „Es geht noch kleiner“. Zwölf Jahre später, 1972, setzt
Märklin diese Marke auf 6,5 mm Spurweite (Spur Z) herab, die mit einem Maßstab
von 1:220 die bis heute kleinste funktionsfähige industriell gefertigte
Modellbahn darstellt.
2008 stellte auf der Nürnberger Spielwarenmesse die kleine japanische Firma
Eishindo eine Bahn im Maßstab 1:450 auf 3-mm-Spur vor, die bisher allerdings nur
japanische Triebwagenzüge anbietet[3].
Messen
Die weltweit wichtigste Messe für Modelleisenbahnen ist die Nürnberger
Spielwarenmesse, auf der seit ihrem Bestehen die Neuheiten vorgestellt werden;
jedoch ist eine Abnahme ihrer Bedeutung festzustellen. Die größte kommerzielle
Messe dieses Sektors im deutschsprachigen Raum ist die jährlich stattfindende
Intermodellbau in Dortmund. Daneben haben sich in den vergangenen Jahrzehnten
mehrere regionale und lokale Ausstellungen und Verkaufsmessen entwickelt.
Grenzen der Maßstäblichkeit und bewusste Unmaßstäblichkeit
Die ersten Modellbahnartikel waren dem Vorbild nur grob angenähert, allerdings
änderte sich dies recht schnell in Richtung maßstäblicher Nachbildungen – mit
einigen Ausnahmen. Aufgrund der teilweise extrem engen Kurvenradien
(Modell-Radien von umgerechnet nur gut 20 m stehen Vorbild-Radien von engstens
180 m gegenüber) werden insbesondere Reisezugwagen bis heute in verschiedenen
verkürzten Versionen angeboten. In Spur H0 gibt es hier Wagen im Längenmaßstab
1:110 (heute kaum noch angeboten), 1:100 (inzwischen meist als Einsteigermodelle),
1:93 (Märklin und Fleischmann) und unverkürzte Wagen, also 1:87. Bei
Gebäudemodellen wird oftmals noch stärker verkleinert. Um mehr Häuser pro Fläche
unterzubringen, sind Gebäude oft nur im Maßstab 1:120 gehalten; in der Höhe gibt
es teilweise noch stärkere Verkürzungen: vor allem sehr hohe Bauwerke wie
Windkraftanlagen sind nicht selten auf 1:200 und mehr verkürzt. In den letzten
Jahren hat sich aber auch hier ein Trend zu zumindest teilweise maßstäblicheren
Objekten entwickelt.
Auch das Rad-Schiene-System, das in vielen Baugrößen noch aus der Zeit vor dem
2. Weltkrieg stammt, ist nicht maßstabsgetreu. Ein maßstäbliches Rad in H0 hätte
eine Breite von rund 1,5 mm und einen Spurkranz von 0,3 mm. International hat
sich für exakt maßstäbliche Fahrzeuge auf exakt maßstäblichen Gleissystemen die
Bezeichnung Proto: (hier folgt die Zahl des Maßstabes, in H0 beispielsweise 87)
durchgesetzt. Solche Räder gibt es durchaus zu kaufen, sie erfordern aber
Anpassungen an den Weichen, die ebenfalls exakte 1:87-Maße aufweisen müssen.
Handelsübliche Gleissysteme werden in H0 mit den üblichen Rädern nach NEM mit
2,8 mm Breite und einem Spurkranz von bis zu 1,2 mm störungsfrei betrieben.
Gerade Letzterer wird in der letzten Zeit jedoch immer öfter verkleinert
(üblicherweise auf 0,68 mm, womit das Verhältnis zur Radbreite wieder stimmt),
auch weil bei vielen Dampfloks der Radabstand zu klein ist – früher hat man
stattdessen die Loks gestreckt oder die Räder verkleinert.
Viele dieser modellbahntypischen Kompromisse sind der Abwärtskompatibilität
geschuldet, aber auch konservativen Kunden, die diese Abweichungen als
betrieblich notwendig erachten. Wo genau die Grenzen des Machbaren oder gar des
Sinnvollen liegen, ist schwer einzuschätzen – einige Modellbahner halten schon
das heute Übliche für völlig übertrieben und unnötig anfällig, andererseits gibt
es Bastler, die etwa Echtdampfmodelle (siehe nächster Absatz) in Spur Z, also
Maßstab 1:220 bauen. Die Tendenz der letzten Jahre geht jedenfalls durchgehend
in Richtung immer exakterer Maßstäblichkeit.
Echtdampf
Eine andere Entwicklungslinie im Modellbau stellen viele Nachbauten in Echtdampf
dar. Das Modellfahrzeug wird wie das Original mit einer Dampfmaschine betrieben.
Dazu haben sich etwa seit den 1980er Jahren spezielle Clubs gegründet, und an
einigen Plätzen Europas finden regelmäßige Schautreffen statt (z. B. die
Echtdampf Stainz, Echtdampf Sinsheim). Die Normgrößen bewegen sich dabei
naturgemäß eher im Bereich Turnhallen- oder Gartenbahn. Davor gab es fast immer
schon Dampfanlagen als Dauerausstellung.
Allerdings wurden auch schon - vor allem in England – Echtdampflokomotiven für
Modellbauanlagen gebaut. Ihre Handhabung ist aber nicht unproblematisch, da
nicht - wie im Fall elektrisch betriebener Modelle - beim Entgleisen der Antrieb
unterbrochen wird.
Quelle Wikipedia
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